Unbefugte Verlängerung der Graffiti Ausstellung

Im Zuge der Generalsanierung des Wien Museum wurde ein Baustellendetail unerwartet zum Exponat: die Beurteilung der Sichtbetonqualität zur ästhetischen und schlussendlich sichereheitstechnischen Kontemplation. Ursprünglich wurde im Rohbau eine eigens errichtete Musterwand im zweiten Obergeschoss hergestellt – rund vier Meter breit und zwei Meter hoch, ausschließlich für die interne Begutachtung durch Bauherrnvertretung, Planung und Bauleitung vorgesehen. Was als nüchterner Qualitätstermin geplant war, erhielt jedoch eine unerwartete Wendung: Über Nacht hatte sich ein Graffiti-Künstler Zugang zur Baustelle verschafft und die Musterfläche mit dem Schriftzug „Full Moon“ versehen.

Eine ironische Parallele zur letzten Ausstellung. Vor Baubeginn hatte das Wien Museum selbst mit der Ausstellung „Takeover Street Art & Skateboarding“ (2019) gezielt Graffiti und Urban Art in seine Räume geholt – damals gewollt, diesmal nicht.

Der Graffiti-Künstler führt auch hier pointiert vor Augen, dass selbst nach bestem Wissen und Gewissen abgesicherte Orte wie Baustellen keinen vollständigen Schutz vor mutwilligem Eindringen bieten. Der Vorfall blieb ohne sicherheitsrelevante Konsequenzen – der Urheber jedoch ebenso anonym wie unbeauftragt.

Das „Wien Museum NEU“ war ein kulturpolitisches Flaggschiff der Wiener Stadtregierung: Das denkmalgeschützte Gebäude von Oswald Haerdtl (1959) wurde nicht nur saniert, sondern durch einen modernen Solitärbau mit zwei zusätzlichen Geschossen fast verdoppelt – von 6.900 m² auf 12.000 m² Nutzfläche. Geplant vom Architekturteam Čertov und Winkler+Ruck, als örtliche Bauaufsicht begleitete die Baucontrol das Projekt, die Projektsteuerung übernahm die WIP Wiener Infrastruktur Projekt GmbH und Rameder Baumanagement übernahm die BauKG dieser anspruchsvollen Großbaustelle.

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Von negativen und positiven Neigungen